Annelies Peduzzi: sachlich – fachlich – kompetent

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Kolumne in der Solothurner Zeitung, Mai 2011
 

Faktor Mensch

„Das ist ein schwarzer Tag für Biberist“ lautete die Schlagzeile am 31. März dieses Jahres. Das ist ein schwarzer Tag für die Menschheit, sage ich, denn was uns da (wieder einmal!) von einem internationalen Unternehmen geboten wird, ist ein Schlag ins Gesicht, den wir nicht so einfach hinnehmen dürfen. Heute genügt es nicht mehr, einen Betrieb einwandfrei zu führen und für diese Leistung Lob und Auszeichnungen zu verdienen, notabene auch noch vom eigenen Konzern. Heute genügt der Mensch einfach nicht mehr.  Ich habe genug von den Klagen, der Produktionsplatz Schweiz sei zu teuer. Unser Land hat die niedrigste Krankenquote bei den Arbeitnehmern, unsere Präzision und Produktivität werden weltweit geschätzt und wir sind ein politisch stabiles Land. Meines Erachtens keine unwesentlichen Faktoren, denn diese sind nachhaltig. Unsere Wirtschaftsförderer setzen sich für die Unternehmen ein und schaffen gute Rahmenbedingungen, doch wenn es kriselt, ist ihr Geschick plötzlich nicht mehr gefragt. Es ist ein Affront erster Güteklasse, dass weder die Regierung, noch die Gemeinde und die Arbeitnehmervertreter vorgängig von den Absichten der Konzernleitung informiert wurden. Wenn man bedenkt,  mit welcher Effizienz die Kantonale Amtsstelle sich im Krisenjahr für die Unternehmen eingesetzt hat, kann man das alles gar nicht glauben. Es zeigt halt wieder einmal eindrücklich, je entfernter die Konzernleitung sich befindet, desto weniger ist das Verantwortungsbewusstsein vorhanden. Hier geht es nicht nur um Zahlen, es geht konkret um Menschen. Menschen, die zum Teil ihr ganzes Leben in diesem Unternehmen tätig waren, ja deren Vorfahren schon zum Wohlstand der Besitzer beigetragen haben. Ganze sechs(!) Wochen haben die Betroffenen nun Zeit, Vorschläge einzureichen, die zur Weiterführung des Betriebes führen könnten. Die Frist läuft bereits in 2 Wochen ab und es liegt also wieder einmal in der Hand der Konzernleitung, ob diese unrealistisch kurze Frist verlängert werden soll.  Es ist jetzt an der Zeit, oder besser gesagt, die Zeit ist überreif, dass sich die Politik mit aller Entschlossenheit gegen solche  Barbarenakte zur Wehr setzt. Ich bin eine vehemente Befürworterin für Wirtschaftsförderung, aber wer fördert, soll auch fordern. Es ist ja nicht der einzige Bereich, wo wir im Fordern eher zögerlich sind, in diesem speziellen Fall geht es aber ganz konkret um Menschen, die – völlig unschuldig – ihren Arbeitsplatz verlieren werden, wenn wir unsere Rahmenbedingungen nicht überdenken. Eine Informationspflicht sollte eigentlich selbstverständlich sein. Auch muss zwingend diese Konkurrenzklausel überprüft werden, denn was bitte soll auf diesen Maschinen nun produziert werden? Können diese Produktionsanlagen umgebaut werden?  Wer bezahlt die Kosten für deren Umbau? Wie weit kann und soll der Staat finanziell mithelfen und wo kann der Staat Firmen helfen, dass diese konkurrenzfähig bleiben (Stichwort Energiekosten)?
Die Belegschaft der Sappi Biberist zeigt uns auf ganz eindrückliche Weise, wie sie mit der Absicht der Konzernleitung umgeht: Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten konsequent weiter und zeigen somit, wie wichtig eben der Faktor Mensch ist. Sie verdienen deshalb nicht nur unsere Hochachtung und unseren Respekt, sondern umgehend unsere entschlossene Hilfe.

Annelies Peduzzi, Deitingen
Kantonalpräsidentin und Kantonsrätin der CVP

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